Über den Film „Set up to sell – Surfen als Lifestyleprodukt“

 

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Ich untersuchte ich die elementaren Bestandteile der Surfkultur. Ausschlaggebend für das Filmprojekt ist meine eigene Leidenschaft für das Wellenreiten. Ziel war es, einen ambivalenten Surffilm zu drehen, in dessen Fokus sowohl die Leidenschaft als auch die Kommerzialisierung der Kultur stehen. Entsprechend dazu gehört die Thematisierung der Geschlechterrollen und zu zeigen, wie sexistisch der Sport teilweise ist. Drehorte waren Berlin und Ericeira, Surfmekka in Portugal.

„Surfing brings out the worst of people“ – Nick Uricchio, Semente Surfboards

Fünf Menschen mit verschiedenen Hintergründen geben darüber Auskunft, warum sie sich mit Surfen beschäftigen und was es für sie bedeutet. Was sie unterscheidet, ist ihr beruflicher Hintergrund, die Perspektive aus unterschiedlichen Geschlechterrollen und ihre Position, innerhalb bzw. außerhalb der Subkultur verankert zu sein. Zu ihnen gehört ein Bretthersteller und Inhaber einer Firma für Surfbretter, die Rezeptionistin eines Hostels, ein Wirtschaftshistoriker, eine Künstlerin und zuletzt der Manager eines Surfunternehmens. Was sie miteinander gemein haben ist, dass sie auf theoretische, künstlerische oder wirtschaftliche Art und Weise die Surfkultur mitprägen. Demzufolge ergibt das Tableau der Individuen ein Bild über das weite, ambivalente Feld der Subkultur.

„Surfing is consumption“ – Stephan Schwanke, Wirtschaftshistoriker

 

 

 

 

728-348715_15a5f23aa30215   watch the trailer „Set up to sell – Surfen als Lifestyleprodukt“

 

 

 

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Surfbild Fuerteventura

Fuerteventura, Canary Islands

 

Worauf beruht die Surfkultur?

Fünf Porträts bieten exklusive Einblicke in die Surfkultur und zeigen die Verbindung zwischen Sehnsucht, Konsum und Klischee. Der Dokumentarfilm ermöglicht tiefe Einblicke in die Marketingstrategien, zeigt Surfen als Massenphänomen und was Menschen dazu motiviert, ihr Leben nach dem Sport auszurichten.

  • Worin liegt die Faszination, mit sich selbst allein zu sein und sich mit der Natur zu messen?
  • Wodurch entsteht das viel gehypte Surfimage?
  • Was bedeutet es, als Frau zu surfen

Sprache: Deutsch und Englisch mit englischem Untertitel/ alternativ spanische Untertitel Dauer: 17 Minuten, Abspielart: DVD, Blue Ray, MP4 Datei

 

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International Surffilmfestival Ericeira 2018, Portugal

 

 Idee und Motivation für das Projekt

Der Surfindustrie ist es gelungen, das individuelle Image des Surfsports zu wahren, während dieser gleichzeitig zu einem durchinszenierten Massenphänomen wurde. Dank dieses Spannungsverhältnisses stellt das Thema meiner Meinung nach ein interessantes Forschungsfeld dar und motivierte mich zum vorliegenden Projekt „Set up to sell – Surfen als Lifestyleprodukt“. Was die Surf-Branche stark von anderen Branchen unterscheidet, ist die kollektive Leidenschaft für die Ausübung des Sports. Die europäischen Küstenregionen haben das Potenzial erkannt, das der Industriezweig mit sich bringt. Sie werben Surffirmen an und überbieten sich in attraktiven Angeboten für Surftouristen, wodurch sich die kleinen Orte explosionsartig zu Surfmekkas entwickeln. „Die Branche galt lange als Sonderfall, aber inzwischen ist sie zu einem wirtschaftlichen Schwergewicht geworden“, sagt Pascal Marty als Surfbeauftragter der Industrie- und Handelskammer im französischen Surf-Hotspot Bayonne, denn „es ist ein dynamischer Industriezweig, der junge Leute anlockt und für Innovationen sorgt“. Große Unternehmen wie beispielsweise France Télécom oder Renault tragen die Wettbewerbe als Sponsoren aus und schicken Profisurfer_innen auf weltweite Wettkämpfe. Obwohl ein Teil der Subkulturmitglieder dem mit Argwohn begegnet und sich wie Nick Razzano, einer der Wellenreiter fragt: „Since when does Samsung have a place in a lifestyle like ours?“, wird Surfen als ganzheitliches Konsumprodukt vermarktet. Längst hat die Industrie den Hauptfaktor für den gewinnbringenden Umsatz erkannt. Dieser liegt vielmehr in der Kleidung als in der Herstellung von Sportprodukten, und demonstriert die Dominanz der Surfmarken durch ihre allgegenwärtige Verfügbarkeit. Zu den Kund_innen zählen insbesondere Personen, die kilometerweit vom Ozean entfernt wohnen und noch nie mit dem Surfen in Kontakt kamen.

 

Lifestyle

Angefangen bei Mode, Literatur, Musik und Filmen bis hin zu sozialen Kontakten gelingt es dem Wellenreiten, viele Lebensbereiche zu durchdringen. In Europa ist Surfen ein Kultsport geworden, „der sich für breit angelegte Marketingaktionen nutzen lässt“. Die Industrie versteht es, dieses Gefühl zu kapitalisieren. Die Kommodifizierung von Sport in jeder Art ist in der globalen Wirtschaft fest verankert genauso wie der Versuch, durch Werbung und Marketing von Produkten Bilder entstehen zu lassen. Aufgrund ihrer Eigenschaften der Authentizität und Unberührtheit bietet die Surfkultur ein besonders hohes Potenzial für den Prozess der Kommerzialisierung. Von den genannten Eigenschaften profitieren nicht nur Surfmarken, sondern Unternehmen jeder Art. Für sie bedeutet Surfen eine Plattform zum Vermarkten von Werten, die heutzutage gefragt sind – wozu „Dynamik, Jugendlichkeit, Naturverbundenheit, Abenteuerbereitschaft und Lässigkeit“ zählen.

 

Surfen und Frauen

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Geschlechterrollen im Surfsport ist ein aktuelles Thema. “Surferinnen werden von den Medien und selbst von ihren eigenen Sponsoren oft weniger als Profisportlerinnen porträtiert, sondern als Models mit einem Surfbrett unter dem Arm”, berichtet Journalistin Anne-Sophie Balzer. Nach wie vor ist Wellenreiten ein maskuliner Sport, in dem Frauen wenig respektiert werden. Dies zeigt sich nicht nur am deutlich geringeren Preisgeld bei Wettkämpfen und im Line-up, in welchem Frauen die Chance auf die Wellen genommen wird, sondern vor allem in der Imagewerbung. Die genderspezifische Aufteilung teilt Frauen eine klare Rolle zu, in der sie, wie in den meisten Extremsportarten, vielmehr durch ihren Attraktivitätsfaktor als durch ihr Können definiert werden. Grund hierfür ist die starke patriarchalische Ideologie und männliche symbolische Identität. Es wird noch Zeit brauchen, bis die engen Gendergrenzen innerhalb der Subkultur aufgebrochen und erweitert werden.

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Anschließende Diskussion über Sexismus in der Surfkultur

 

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Zusammenkommen mit anderen Filmemacherinnen und Surferinnen beim Surffilmfestival Sopela, Spanien, 2018

 

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Ericeira Filmfestival 2018

 

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Best of Ericeira Filmpreis 2018

 

 

Zur Geschichte des Surfens

Bei der Ausübung des Surfens findet eine Interaktion zwischen Körper und Welle statt, die als intensive Erfahrung erlebt und auch als Flow-Erlebnis beschrieben wird. Sie gleicht einer transzendenten Erfahrung, durch die das Selbst komplett in das Surfen involviert wird. Risiko, geographische Abgelegenheit und ein nach Wellen- und Windverhältnissen ausgerichteter Alltag sind Konditionen, die Surfer_innen einem eher „rationalen“ Alltag vorziehen. Ihre tiefe Verbindung zur Natur ist ästhetisch aufgeladen und spiegelt sich in den typischen Surfmotiven wie beispielsweise einer einsamen Bucht und Wellenformationen wider. Vor allem zeichnet sich der Sport durch eine unverwechselbare Form von Gemeinschaft und Sozialität aus.

Das Wellenreiten wurde für die westliche Welt zum ersten Mal auf einer der Forschungsreisen von Kapitän Cook im späten 18. Jahrhundert auf Hawaii und den Pazifischen Inseln entdeckt, doch über die Entstehungsgeschichte des Surfens bestehen viele Mythen. Fest steht, dass neben den ersten Darstellungen von Surfern, die im 16. Jahrhundert in Hawaii in Stein eingeritzt wurden, ebenfalls Radierungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert existieren. Einigen Surf-Historikern, wie beispielsweise Scott Laderman oder Matt Warshaw zufolge, entstand das Wellenreiten, als Polynesier beim Fischfang mit ihren flachen Booten in die Brandungswellen gerieten – dies ist jedoch Spekulation. Letztendlich waren es weder Repräsentationslust noch Nahrungssuche, was die Menschen vor Tausenden von Jahren in Polynesien, Tahiti und anderswo auf die Bretter und in die Wellen trieb, sondern der Spaß. Obwohl Surfen eines der Hauptelemente hawaiianischer Kultur ausmachte, wurde es im Rahmen der Kolonialisierung verboten, weil die Missionare keinen Sinn in der Ausübung sahen. Darüber hinaus lehnten sie die körperliche Freizügigkeit des Sports ab.

 

 

 

 

Im frühen 19. Jahrhundert wurde Surfen von den hawaiianischen Inseln nach Kalifornien gebracht und etablierte ein stark romantisiertes Bild, mit dem Motiv, die Natur und Wildheit zu erobern. Faktoren wie Tourismus und Konsum bildeten die Grundlagen für die globale Verbreitung des Wellenreitens und etablierten einen Mythos, der laut dem Wirtschaftshistoriker Stephan Schwanke mit der Realität wenig gemein hatte. Primäres Interesse war vielmehr, die Strandflächen Kaliforniens zu erschließen und zu ökonomisieren. Ab dem späten 19. Jahrhundert diente Surfen als Werbematerial der Tourismusindustrie. Hawaii und Kalifornien entwickelten sich zur hochpopulären Ikonografie des Surfens und wurden als mythisch und jugendlich aufgeladene Räume vermarktet. Die Medien steigerten zunehmend den Beliebtheitsgrad des Wellenreitens und verwandelten Surfen in einen Massensport. Wellenreiten verkaufte sich gut durch die Brille des/der weißen Amerikaner_in, da Surfer in der westlichen Welt wie Halbgötter gefeiert wurden, begleitet von der abenteuerlichen Aura eines Cowboys.

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Die 1950er-Jahre verzeichneten einen Surfboom, der mit der Verbreitung von Surfmedien und Entwicklung neuer Technologien einherging. Dazu zählte die große Anzahl an Hollywood-Surffilmen, wie beispielsweise Gidget, der eine enorme Begeisterungswelle auslöste. Während vor dem Film weltweit etwa 5.000 Menschen surften, stieg die Anzahl danach auf circa zwei Millionen. Begleitet von der Surfmusik der Beach Boys und Dick Dale leiteten sie ein neues Filmgenre ein. Die Filme und die Musik repräsentierten den stereotypischen Lifestyle, der sich in Freizeit, Hedonismus und Reisen manifestierte. Neben „Beach-Movies“ und Surfmusik, gründete die Welle der Begeisterung auch auf den neuen Surfbrettern aus Schaumstoff. Durch die Entwicklung der Kunststofftechnologie wurden die einst schweren Holzbretter nicht nur billiger, sondern auch handhabbarer und dadurch auch für ein weibliches Publikum attraktiver. Daneben sorgte die wachsende Verbreitung des Neoprens für die rasante Entwicklung vom Außenseiter- zum Breitensport.

Vor allem in den USA und Australien ist Surfen eine nationale Angelegenheit mit speziellem sozio-historischen Kontext. Während in den 1960er-Jahren in Kalifornien das Soul-Surfing populär war, um eng mit der Natur verbunden zu sein, wurde die Aktivität in Australien vielmehr als strenge Körperdisziplin mit hohem Professionalisierungsdrang verstanden. Dies ist auf die Rettungsschwimmerkultur der „Surf Lifesaving Association“ zurückzuführen. Beide Nationen übten großen Einfluss auf das europäische Surfen aus, das Stil, Mythen und Rhetorik adaptierte. Ab 1960 setzte es sich langsam in Frankreich, England, Portugal und Spanien durch, wobei sich viele Surfer_innen anfänglich noch Streitigkeiten mit der Polizei lieferten. Zunächst vereinzelt, begannen sich zehn Jahre später Gemeinschaften zu bilden, die sich über (Surf-)Magazine, Filme, Musik, Bretter und Tricks austauschten. Zusammenfassend genoss das Wellenreiten als ästhetische Erfahrung bis Mitte der 1960er-Jahre einen hohen Stellenwert. Ab den Siebzigern nahm es jedoch immer wettkämpferischere und extremere Züge an und verzeichnet dadurch eine stetig wachsende Kommerzialisierung.

 

 

IINTERVIEWS aus dem Film zum Thema SURFKULTUR

Interview mit Nick Uricchio, the „Godfather of Surfboards“                                   27.06.16    Shaper Semente Surfboards Ericeira und Kommentator bei Surfcontest

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„Surfing brings out the worst of people “

AS: Annika von Schütz
NU: Nick Uricchio

AS: So, you started surfing back in California?

NU: No, I made one board in California, in my father´s garage. And he said never again. It was just too dusty, it messes the whole garage up with all that fiberglass and pigment resin on the floor. So, he said no more surfboards in his garage. And then I didn´t touch Surfboards until I was eighteen and I started making boards when I came here when I was twenty-one, twenty-two.

AS: Why did you come to Portugal?

NU: Originally, I came just for backpacking Europe. Portugal was kind of the last place I went to and when I came through, I saw there is amazing surf here so I ended up coming back. I supposed to be leave because my euro pass ended. I went from England all the way through Europe and the last place I came to was Portugal and pretty much ended my euro pass when I ended up buying a board and wetsuit in France, because there was nothing here. I had to come back because there was no one here, the surf was unbelievable. I was surfing for three months.

AS: Which year was it?

NU: ´78? Yes, summer of ´78 until ´79. I got to know some people before I left, so I came back to live in Lisbon and start doing skateboards and stuff like that and then eventually also surfboards. That was in 1979, 1980 I started building Surfboards on the other side of the bridge in Lisbon, at the coast of Caparica.

AS: There was no one here back in the time?

NU: Well there were people here, some surfers but not a lot. 1978, ´79 there were maybe hundred surfers in the whole country. From south to north. And there were points like in the Algarve and around Faro and Sagres. Down in Alentejo were some Surfers and then costa de Caparica was a strong point. The coast of Estoril, like Cascais, Sao Pedro and Ericeira, hardly any local guy was living here. There was surf everywhere in these days in Portugal. Nazaré has giant waves and then you have the Azores and there are many contests in Cascais. It just became a big spot for Surfing, for whole Europe. France was the big getaway and Portugal became the bigger getaway now, because there is waves here around and there is moderate temperature here around too.

AS: Do you think there is a big chance towards the attitude of surfers, how it was before and how it is now? Because there are popping out so many hostels and surf stores?

NU: It´s a tradeoff, you know? When I originally came here, I came without any intentions what I was going to do. I just wanted to surf, I was a kid and just wanted to hang out. Eat good food, have some good wine and enjoy myself. And then it turned into a business, into my profession making surfboards and that and I think it´s a tradeoff. I mean if I look back, in what a paradise it was and how crowded it is now. You know unhappily there is a tradeoff here. It is also the way that makes the living. There is a lot of people here and the country needs that. They need tourism. You know we need those people coming, we need to keep it economically healthy as a country. Things must grow and you lose a bit your lifestyle.

AS: What does the surf lifestyle mean to you?

NU: Surf lifestyle, what it meant and what it means these days…I don´t surf as much as I used to. Back in the day it was all about surfing and being with good friends. And for me the surf lifestyle, if you are totally into surfing, surfing wherever you live, surfing is part of your life and you pretty much travel to feel new awesome waves. You have your home peak and it´s all cool, but you must see other places and check out other cultures. The way to travel, the way to see the world, you know, the surf has the first primary, the first thing on the stage. Surfing lifestyle is building a life around surf, that´s what I think. I do that and a lot of people I know as well.

AS: And you have two daughters, right? They surf as well?

NU: Yeah, they surf. I mean my younger daughter is living in San Francisco now. So, I tell her not to surf because there are too many white sharks out there, no the water is too cold. My older daughter surfs here when she has time. But yeah, it´s part of their life also and it always was.

AS: Do you think there is a difference between men and women in surfing?

NU: Oh, for sure, I think there is some phenomenal women surfing in the world. I mean of course there are differences but I don´t want to get into that chapter. Women surfing level is amazing these days, but yes, physically there is a difference, you know. In every kind of sport there is difference. We´re built differently, no? Thank god for that.

AS: Where are you selling your surfboards?

NU: All around Europe. All around the European Community.

AS: Which country you sell yours boards the most?

NU: Probably just nationally. Portugal itself and then France, Germany, Switzerland, Denmark and recently also Israel. It just depends on how many I want to sell; how many I want to do.

AS: How much costs one of your boards?

NU: It depends on the prize and what kind of board it is. Around 400 something, but ask the other guys, that´s not my department.

AS: Is there a big concurrence between the different shapers and surf brands?

NU: Yes, I think wherever you are. There is a healthy relation between a few guys I know that are in the industry I work with. But there is a difference, especially with the guys who come into business now and want to gain land. It´s normal, it´s business. Everyone wants to make the living so you must battle for your land.

AS: The prizes also came up a lot?

NU: The prizes of material like polyester, resin and transport. When the oil prices come up, it gets more expensive. Like every other business it has gotten more expensive, so prices come up.

AS: What kind of material is the board made of?

NU: Right now, I only work with polyester resin and fiber glass. There are also epoxy boards and different stuff going on.

AS: The lighter material affected a lot the surf boom in the 50ies, right?

NU: Yes, boards have gotten a lot lighter, a lot faster and the fins system is simplified. There is a bunch of different fins system. It´s all just super light and high tech. Faster and faster and better and better. It´s Semente industry. More flexible, more movable.

AS: Which also influences the style of surfing a lot.

NU: Yes, for sure. The whole Aerial game is coming to professional surfing now. So what people do as far as the construction goes, is because of what surfers are looking for. With the whole Tow-In thing, the whole Paddle-In thing. What surfers want, dictates what the industry does. We make super light boards for our team riders.

AS: You dedicate your life to Surfing. What does surfing mean to you?

NU: It´s a lifelong passion. Ocean is pretty much all my passion. Skin Diving and fishing. I think, ocean in general has been the leading force in my life and follow the ocean pretty much too. My life surrounds surfing and the ocean. And it has become my way of living also.

AS: Consequently, the strength of the ocean is your main motivation?

NU: Yes. I´ve never been that far from the ocean for too long. Not more than a couple of weeks ever.

AS: Would you say, the industry is the main reason why there are coming more and more people who want to surf?

NU: No, I think there is just more and more people who want to do it. It used to be kind of an avant-garde sport. It was kind of an outcast sport and I think it became vulgar now. I mean, it´s easily accessible these days. All the schools are set up for children, for lawyers, for doctors. It´s all set up and the school takes you out there. You know the whole school thing, it´s all set up and cozy out there. When I learned to surf, there was no teachers, there was no surf schools, there was no surf camps. You just got a surfboard and get slapped in both sides of the head. It was just a whole different instruction. Now it is set up, so people do come back. Oh, I went to Portugal, we had a great trip and the kids learned how to surf. So, this family tells another family and another family. It is more easy access for everybody these days. It´s a more commercial sport. It´s set up to sell it as any other sport. It´s not the old adventure trip, like the old movies about surfing. Endless Summer for example. It was a whole different time, you know?

Nowadays the world is googled to death. I´m sure there is waves around to discover, but it´s not the same anymore. I mean, if you look at the chary prime spots Indonesia and Bali, everywhere there is more people. Hawaii is a chaos every year, but people still go there, it´s still pumping. I mean, there is still a lot of good places to surf with not many people, but in general it´s not. Before windguru[1] and all the others put every swell on the website, we used to sit around the bonfire with a bottle of wine, pray for surf tomorrow, feel positive, tomorrow we´re going to surf. And sometimes it happened and sometimes not. Yeah, it happened, because we had a bonfire yesterday, but now everybody in Lisbon and around Cascais will pump here tomorrow. I mean there is a lot of good surfers here in the country now, so it does get crowded these days.

AS: Do you think the surfers spirit got lost?

NU: I think the true surfer still gets the thrill out of it, because of the unbeaten pass. There are not many unbeaten passes anymore, but the true surfers that love surfing for what it is, they still get super excited about it. There are kids who grew up with it, they´ve never seen it like me and are used to the fact that it´s crowded.

AS: Since when did become so crowded?

NU: I don´t know. Even during the Longboard period, it got super crowded in California and Hawaii. There the surfing has been huge forever. Here the big boom was around ten years ago and there is a big boom right now since two or three years, especially in Portugal. Because the whole government all around Portugal became aware of the fact, that this is a good point for tourists and makes some good capital for the country, which they really need.

AS: What kind of surfboard is popular now?

NU: I think Stand-Up paddling is getting big. This could get a big problem. For me Stand-Up paddling is the biggest spoil in the world. I mean they can go inlands and in lakes as well. There is river, lakes everywhere. That sport is open to everybody. Little kids, older women and everybody. It´s scary, seeing them paddling the wave.

AS: Okay, thank you very much, that´s it.

NU: You got it? Alright, and I nearly got a board finished, which isn´t bad either.

〈oficial end〉

NU: We were the first ones to set up the shop. Then Billabong came here to set up a shop and a lot of surf companies started getting based here. When we started, it was probably the most illogical place in Portugal to do it. Far away from everything. It took two hours to get to Lisbon at that time. All the stuff we had to buy was in Lisbon, all our clients were in Lisbon. But the surf was insane and that was all we cared about. At that time, it was the worst place to start a business but a great place to start a lifestyle and that was all about. When I was here, there was no one in Coxos[2]. I would say the point where the most important surfers are coming from and will always be in Cascais, Carcavelos, just because it´s close to the capital and there are good waves in the wintertime around there. And many kids with cash. José Gregório came here, because of Coxos so I moved up here, good friends from costa de Capricia came up because of Coxos, the guy from Billabong came up for Coxos, every one of my good friends lives here because of Coxos. My teacher friends came up to work here because of Coxos.

AS: How big are the waves?

NU: It gets big, around 12 feet, four to five meters. I used to want more but now it´s too painful. I did too many years of this. You know, this is physical and I worked twenty-five years just by hand. Doing surfboards, diving, catching a lot of stuff and walking up the hills, surfing, planting some trees. I just worked much with my body and I need to get a few repairs done. I need a new hip and this and that. I don´t feel like getting slapped by the wave. I´m nearly sixty so there is a time when you can say: I´m not going out.

AS: So, there is a point, when you say no to surfing?

NU: Huge Coxos I can stop. I don´t want to go out anymore when it´s huge. But the size I feel comfortable I go out, but I´m not going to kill myself, you know? You do start to lose your flexibility. Around sixty you still want to surf but you don´t want to get washed over the bay and to paddle hard just to get back. No, you don´t want that. I think that´s lifestyle too, what you choose. I choose surfing and the ocean as my lifestyle, but the company is a lot of work. Like Tiago Oliveira and Miguel Fortes, they have more time for surfing than they have for anything else.

[1] Zu finden unter: https://www.windguru.com/, zuletzt aufgerufen am 26.06.17.
Windguru ist ein spezieller Dienst für die Wettervorhersage, den insbesondere Surfer nutzen und liefert internationale Vorhersagen für jedes Revier.
[2] Coxos ist die berühmteste Welle Portugals. Sie ist auf dem Poster abgelichtet, was während des Interviews eingeblendet wird.

 

Interview mit Stephan Schwanke, Wirtschaftshistoriker                                            29.06.16

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Surfen ist kommerzialisierte Kultur

AS: Annika von Schütz
SS: Stephan Schwanke

AS: Du hast mit dem Thema „Endless Leisure? From 1954 onwards“ promoviert. Wie kamst du auf das Thema? Was motivierte dich daran?

SS: Auslöser war rein persönliches Interesse. Ich habe in Australien studiert, in Brisbane, und fand es recht bemerkenswert, wie allgegenwärtig die Surfkultur im Alltagsleben war. Also Surfen selbst als Aktivität ist etwas, dem man sich kaum entziehen kann. Es macht einfach Spaß, es auch mal auszuprobieren. Was ich persönlich aber spannend fand war, wie weit verbreitet es in der Gegenwart ist und in einem derartigen Ausmaß, dass es meines Erachtens vor allem in Australien gar nicht mehr als Surfkultur wahrgenommen wurde, sondern als Teil der Alltagskultur. Statt Puma oder Adidas tragen sie eben Surfbrands und die Jugend liest Surfmagazine statt der Bravo. Ich wollte erst einmal das Thema als Doktorarbeit anfragen, dann kam aber gleich eine Einladung der australischen Universität, dass ich als Researcher etwas dazu machen könnte. Dann bin ich nach Melbourne gegangen und fing an.

AS: Hast du das Surfen auch ausprobiert?

SS: Nein, es war kein motivierender Faktor. Ich habe es mal ausprobiert, weil es Spaß machte und eigentlich alle machen. Nachdem ich mich eingearbeitet habe, habe ich versucht aus einer Perspektive zu schreiben, die die eines Nicht-Surfers ist, weil ich denke, das meiste, was es übers Surfen gibt, wird von Surfern geschrieben. Ich kann die Artikel gar nicht mehr zählen, die immer mit dem Standardsatz anfangen: „Ich bin ja selbst Mitglied dieser Subkultur und das ist auch ganz wichtig, dass man aus der Perspektive der Subkultur schreibt“, was sicher nicht unberechtigt ist, wenn man über Surfer schreiben will. Aber ich fand es spannend, einen anderen Blickwinkel reinzunehmen. Surfen als Teil der Kultur, der australischen Gesellschaft. Es ist die Vielzahl und durch alle Lebensbereiche ziehende Kultur des Surfens, die den Australiern selbst gar nicht mehr auffällt.

AS: In welchen Bereichen spiegelt sich die Kultur wider?

SS: In der Alltagskultur im weitesten Sinne. Das ist dann die Kleidung, die die Leute tragen, es sind die Surffilme, die bei Sportevents gezeigt werden, Surfpreise als Gewinne bei großen Konzernen wie Coca-Cola. Es ist die reine Vielzahl. Auch die australische Botschaft hat in Paris eine Ausstellung gemacht zu Australien und Surfen: Surf culture as australian way of life.

AS: Was verbindest du hauptsächlich mit dem Thema Surfen?

SS: Surfkultur ist eigentlich kaum definierbar, weil es ein unglaublich weiter Überbegriff ist. Ich assoziiere damit den australischen Sonderfall. Ich behaupte, das australische Surfen hat einen unglaublichen Einfluss auf die nationale Kultur gehabt hat, aufgrund sehr spezifischer historischer Entwicklungsschritte. Was ich mit dem Begriff assoziiere ist die kommerzialisierte Kultur. Eine Kultur, zu der man Zugehörigkeit erlangen kann, indem man sich einkauft und in der man, je nachdem wie man es auslegt, gar nicht mal partizipieren muss, sondern wo es ausreicht: Ich habe das entsprechende T-Shirt gekauft oder den Urlaubsort besucht. Was auch historisch, denke ich, Sinn macht, wenn man sich das anguckt von der Entwicklung angefangen in Hawaii über die Vereinigten Staaten. Wenn man einfach mal guckt, wie es generell zu anderen Kulturen unter Popularität bestellt war, waren sie eigentlich immer kommerzieller Natur. Man kennt teilweise die Surffilme der 50er Jahre, um die Jahrhundertwende die Erschließung der Strände Kaliforniens, was ganz wichtig für die Entwicklung ist, denn dies bringt das Surfen auf das Festland. Aber in erster Linie getrieben von Leuten, die Grund und Boden erschließen wollen, um alles passierbar zu machen. Dies unterscheidet sich sehr von der Subkultursicht, die immer sagt, das Kommerzielle ist nicht entscheidend und ist etwas, was von außen aufgepfropft wird.

AS: Durch welche Codes zeichnet sich die Subkultur explizit aus?

SS: Es hängt davon ab, welchen Teil der Subkultur ich mir angucke. Es gibt die Soul Surfer, also die 60er-Hippiesurfer, es gibt die Extremsurfer, wo es darum geht, neue Rekorde aufzustellen und es gibt die Freizeitsurfer, wo man betrachten kann, dass schon das Einkaufen reicht. Für mich kann nur die weitest mögliche Definition einigermaßen sinnvoll sein, zumindest, wenn man sich diesen externen Blick bewahren will. Dementsprechend für mich entscheidend ist sicherlich das Surf-Branding. Die Leute kaufen an Produkten, zwar wohlwissend, dass dies auch nicht alles abdeckt und natürlich gibt es wieder eine Subgruppe, die ganz bewusst nicht Surfkleidung kauft oder nicht die Marken, die besonders cool sind. Aber das sind Minderheiten. Ich denke, man will über Surfen reden als Phänomen, das mittlerweile bemerkenswert ist, weil es eine Größe erreicht hat, da müssen wir zwangsweise über die kommerzialisierte Form reden.

AS: Warum wird der Hype um die Surfkultur immer populärer in Europa?

SS: Da kommen diverse Faktoren zusammen. Einer ist der Trend zum Individualsport, weg vom klassischen Vereinsleben, das in Deutschland die Sportlandschaft sehr geprägt hat. Es ist ja nicht nur das Surfen, sondern auch die verwandten Sachen wie Snowboard, Skateboard und auch Laufen. Sachen, die man allein machen kann. Weiterer Faktor ist, dass die Surfindustrie sehr gut gearbeitet hat und ein sehr gutes Image aufgebaut hat, insbesondere in den letzten Jahren. Auch dass sie es geschafft hat, sich als Extremsport zu vermarkten, andererseits aber auch den entspannten Soulsurfer-Charakter zu pflegen, also eine schöne Bandbreite an Sachen abdeckt. Dann sicherlich Sachen wie Skateboard fahren und Snowboardfahren populär geworden sind, verwandte Sportarten, Extremsportarten. Vielleicht auch noch, da bin ich mir nicht so sicher, dass einfach mittlerweile die erste Generation, also die Babyboomer, ein Alter erreicht hat, wo es auch in den Ruhestand geht. Analog sehen wir das am Beispiel von Harley-Davidson, die auch in den letzten Jahren ein Comeback gehabt hat. Das sind nach wie vor die Leute, die in entscheidenden Positionen sitzen und Medieninhalte- und Interessen auch mitlenken können. Dann natürlich viel Externes. Es ist mittlerweile einfach möglich, das zu machen. Bis vor ein paar Jahren waren die legendären Surforte einfach nicht erreichbar. Es war viel zu teuer, dass kaum jemand es sich leisten konnte. Die gesellschaftliche Akzeptanz von einem Jahr Auszeit ist sicher auch gestiegen. Entscheidend ist letztendlich, dass die Surfindustrie schlau genug war, den Moment zu nutzen und zu erkennen, wo das Ganze hingeht und es kapitalisiert hat.

AS: Was sagt das aus über die Gesellschaft, in der die Menschen gefühlt zunehmend ihren Freizeitaktivitäten nachgehen?

SS: Es sagt nichts aus, da historisch gesehen dieselben Charaktere in den 80ern, in den 70ern und vor dem zweiten Weltkrieg vorhanden waren. In Kalifornien zur Jahrhundertwende haben wir genau dieselben Jahrhunderttypen, die sich eben als Rettungsschwimmer durchschlagen, weil sie am Strand leben, surfen und reisen wollen. Das ist kein neues Phänomen. Zahlenmäßig hat es sich verändert, weil die Möglichkeiten größer geworden sind. Ich sehe da nichts Neues. Es ist oft die Illusion, dass es größer und neuer wirkt, was daran liegt, dass jeder mit Social Media alles dokumentiert. Die Vernetzung ist natürlich sehr viel besser. Es gibt heutzutage kaum noch unbekannte Strände und Ähnliches. Das Image ist immer wichtiger. Die Leute gucken oft gar nicht auf das, was sie machen, sondern wofür es steht. Das ist ja auch so ein generelles Thema, was wir ganz oft haben. Surfend sind es beispielsweise die Japaner, die nach Australien kommen und unbedingt diesen original VW-Bus haben müssen. Dafür müssen sie zwar Spitzenpreise zahlen, aber es muss ein authentisches 60er Jahre Modell sein. Gleiches gilt für das Brett natürlich, gleiches für die Boardshorts, und, und, und. Das heißt, das wird komplett gekauft, dieser Lebensstil. Grundsätzlich ist das Muster seit den letzten 130 Jahren gleich.

AS: Es ist also ein immer wiederkehrendes Modell?

SS: Ja. Es geht noch weiter zurück, man kann Vorläufer sehen und ins 18. Jahrhundert zurückgehen, wo wir diese Naturtypen haben, die nichts brauchen und als Trapper völlig zufrieden sind und den US-Mythos leben. Ich würde im antiken Griechenland bestimmt auch Beispiele für ähnliches Verhalten finden.

AS: Könnte man daraus schließen, dass das Surfen und der freiheitsliebende Lebensstil ein Ventil für die Sehnsucht des Menschen darstellen?

SS: Ja, mit Sicherheit. Alles, was gut funktioniert, ist ein Indiz dafür, an unsere grundsätzlichen Grundsehnsüchte anzudocken.

AS: Was ist deiner Meinung nach das ozeanische Gefühl, von dem Freud geschrieben hat? Ist das für dich auf die Surfkultur oder vielmehr auf die Beachkultur anwendbar?

SS: Ich würde es eher auf die Beachkultur anwenden. Es ist sicherlich auch in der Surfkultur zu verorten. In erster Linie für Leute, die selber surfen, die auch von vornherein eine entsprechende Philosophie mitbringen. Also eher die Soulsurfer. Die Leute, die das machen, um mit der Natur eins zu sein oder um sich selbst zu verwirklichen, aber sicherlich nicht für Leute, die das wettkampfmäßig betreiben. Es gibt ja diese aggressiven Surfer, das ist dann etwas, was aus Australien kommt seit dem Ende der 60er Jahre, wo es klar darum geht, die Welle und die Konkurrenz zu dominieren und wo auch deutlich Decklinien zu dem heutigen Extremsport der Surfer zu finden sind. Dabei geht es nur noch darum, Rekorde zu brechen. Da ist es eigentlich eher der Kampf gegen einen selbst. Vermutlich ist es der Kampf gegen einen selbst, der entscheidender ist, als der Kampf gegen die Natur, wobei schon die Sicht als Kampf schon etwas ist, was nicht mehr mit Freud in Einklang zu bringen ist.

AS: Welche Position nimmt das Suchtpotenzial der Sportart ein?

SS: Sicherlich für Leute, die Surfen als Extremsport machen. Adrenalin ist zwangsläufig da und nötig und Suchtpotenzial offensichtlich auch. Adrenalin ist sicherlich auch noch ein Faktor, was das Marketing angeht. Das was für den Zuschauer auch wichtig ist, was Surfen als interessanten Sport für die Zuschauer ausmacht, ist eben die Aufregung und die Anspannung: Überlebt der das überhaupt, was er da vorhat oder gibt es jetzt ein schweres Unglück?

AS: Welche körperlichen Normen muss der Surfer erfüllen, um sich da rein zu begeben?

SS: Im Profisport geht es natürlich um Idealtypen. Wir haben wie in allen Sportarten einen Professionalisierungsgrad. In den 90er Jahren haben viele Fußballer geraucht. All diese Formen gibt es nicht mehr. Alle sind ernährungsoptimiert und fitnessoptimiert. Surfen ist da keine Ausnahme. Generell ist es natürlich ein Sport, der einen gewissen Fitnessgrad voraussetzt. Aber auch nicht so hoch. Die Gefahr ist glaube ich eher, dass die Leute sich überschätzen. Viele versuchen das immer extremere Surfen nachzumachen, ohne sich einen Kopf zu machen, was dies an körperlichen Voraussetzungen, aber auch an Planung erfordert. Der Surfer, der in die Welle geht, ist nicht allein, sondern besteht durch sein Team, was dahintersteht. Dieses guckt sich vorher wochenlang an: Wann kriegen wir gute Wellen? Wie ist die Beschaffenheit? Was für Material ist dafür geeignet? Was trage ich? Was nehme ich für ein Brett? Es ist längst nicht mehr der einzelne Sportler.

AS: Was ist mit den Surferinnen? Bestehen große Unterschiede und – wenn ja – worin?

SS: Ja, klar. Im professionellen Bereich natürlich weniger, abgesehen von der grundsätzlichen Thematik, dass weniger Geld vorhanden ist, weniger Interesse, was immer schwierig zu thematisieren ist. Gerade in den Extremsportarten „höher, schneller, weiter“ ist es für Surferinnen vielleicht auch schwierig, auf die Art Interesse zu erzeugen, weil sie letztendlich nicht in der Lage dazu sein werden, auf dem Toplevel mitzuhalten. Dann ist es wie immer: Weibliche Surferinnen sind dann interessant, wenn sie attraktiv sind. Das ist auch nichts Neues. Generell hat es sich natürlich verbessert. Wenn man guckt, wie es in den 60ern, 70ern, 80ern war, da waren weibliche Surferinnen selten und auch weibliche Mitglieder der Surf Culture waren wichtig, allerdings nur in ihrer Funktion am Strand zu sitzen und den Surfern zuzusehen. Das ist ein wichtiger Aspekt des Ganzen. Man macht es natürlich auch, um gesehen zu werden. Sonst nützt die schönste Welle nichts, wenn es keiner gesehen hat. Zumindest für manche.

AS: Das ist immer noch ein sehr dominantes Bild: Der Surfer, der mit seinen beiden Accessoires an den Strand geht: seinem Brett und seine Freundin.

SS: Das glaube ich nicht, dass es noch so dominant ist, aber es ist noch in den Köpfen vorhanden. Es ist noch deutlich dunkler. Ich habe mir die Artikel des Tracks-Magazins angesehen, Australiens größter Surfzeitschrift seit den 60ern. Da schreibt einer, dass er wieder am Strand verprügelt wurde und die Freundin vergewaltigt und auch noch sein Brett zerbrochen wurde, was nicht mehr tolerierbar war. Aus heutiger Sicht ist das schon sehr befremdlich, was das für Prioritäten waren. Es kann auch sein, dass diese Wildwestmentalität eher Australien zuzuschreiben ist. Es hat sich schon sehr viel gebessert, doch trotzdem ist es noch schwer heutzutage. Wenn ich denke, dass weibliche Surferinnen deutlich schlechter sind, werde ich das nicht öffentlich zugeben. Ich glaube aber, das ist generell schon so.

AS: Es ist trotz allem ein spannendes Phänomen, die steigende Anzahl weiblicher Surferinnen im europäischen Raum, insbesondere in Deutschland, zu sehen, obwohl es hier keine Wellen gibt.

SS: Ist es denn das Surfen oder geht es vor allem darum, die Kleidung zu kaufen? Ich habe eher den Eindruck, dass man versucht, sich hier zu vermarkten, als Lifestylemarke. Ähnlich wie das auch die Basketball-Marken machen. Ich sehe da wenig Aufforderung zum Surfen. Ich sehe allerdings eine Aufforderung die Kleidung zu kaufen. Ich sehe allerdings auch wenn ich an die Ostsee gehe oder im Schwimmbad, wie viele Leute Boardshorts tragen, die zum Schwimmen eigentlich völlig ungeeignet sind. Aber natürlich kaufen die die nicht, weil sie surfen wollen, oder weil sie sonst surfen und sie die zufällig dabeihaben, das ist Mode. Es ist ja auch nichts Neues. Als Adidas vom Hip-Hop übernommen wurde, wurde die Marke auch neu gedeutet. Was hier anders ist, ist die Industrie selbst, die diese Umdeutung vornimmt. Nicht unbedingt der Surflifestyle, aber sicherlich Elemente, die aus diesem Lifestyle entnommen sind, ist das, was man den Leuten nahebringen will. Der Link zum eigentlichen Surfen wird zusehends geringer und weniger betont, weil wir da ein Sättigungsgrad erreicht haben, wo ich darauf verzichten kann, mir explizit diese Legitimation zu holen. Ich kann eben sagen, wenn ich diese Shorts habe, dann habe ich die Assoziation Lagerfeuer, Strand usw. Und natürlich, das Surfbrett habe ich noch dezent im Hintergrund des Bildes irgendwo, aber ich muss es nicht mehr explizit hervorheben.

AS: Ist das auch einer der Beweggründe für den wachsenden Surftourismus, insbesondere in Portugal?

SS: Es ist definitiv einer für Australien. Ich würde mich nicht wundern, dass viele nach Spanien und Portugal fahren, nicht weil sie surfen, sondern weil sie die Vorstellung reizt, da vielleicht eine Woche am Strand im VW-Bus zu verbringen und abends ein bisschen Feuer zu machen. Ich glaube, Europa ist noch einer der Kontinente, wo die Zahl der Leute, die richtig surfen, noch vergleichsweise hoch ist. In Australien und Kalifornien definitiv nicht. Hawaii sowieso nicht. Tahiti nicht. Asien nicht mehr. Europa ist sowieso die Ausnahme. Es ist der Kontinent, wo Surfen als letztes populär wurde. Über Afrika kann man noch streiten.

AS: Seit wann nimmt die Entwicklung in Europa zu?

SS: Dass es richtig Beachtung auch außerhalb der Surfmedien findet, ist seit circa zehn Jahren schätze ich. Deutschland hatte noch nie Surfkultur gehabt, außer Sylt, aber das würde ich jetzt nicht zur Surf Culture zählen.

AS: Kannst du in einem Satz die Bedeutung des Surfens für dich erläutern?

SS: Es war ein Thema, was ich sehr spannend fand. Es ist ein Thema, was spannender wird, je weiter man sich damit befasst, weil man damit in alle möglichen Bereiche gehen kann. Ich fand eben diese Kommerzialisierung sehr spannend, da kommt man auch schnell zur Globalisierung, wenn man möchte. Man kann Desubstanzialisierung nehmen, also diese zunehmenden Trenddinge, die du nur noch wahrnimmst, wenn du sie fütterst. Was sie aussagen, was sie für einen Status haben, für das was, sie eigentlich sind oder machen. Ich finde Surfen ist schön, weil man viele dieser Mechanismen beobachten kann, die man aber auch in anderen Bereichen zusehends findet. Auch der Umgang und die Schaffung von Kultur und Geschichte. Die Surfindustrie hat im Grunde die Surfgeschichte geschrieben und dominiert, bringt einen Großteil der Filme heraus, die zum Surfen erscheinen, ein Großteil der Bücher. Die komplette Kontrolle eigentlich hat über das Medium, was relativ einmalig ist, dass die Industrie einmalig ist und alle Facetten dominiert. Das ist, finde ich, sehr spannend, weil sie auch früh angefangen haben damit. Surfen hat im Grunde in den 70ern richtig begonnen. Die Surfindustrie wurde eben tatsächlich von Surfern gestartet und das ist relativ zeitnah. Man kann sehr schön beobachten, wie sich das intern wandelt, wie sich aber auch die Vermarktung wandelt. Gerade diese Rückgriffe auf Hawaii sind im Grunde genommen Quatsch. Da wird viel konstruiert und auch weggelassen, was nicht dem historischen Ablauf entspricht.

AS: Also den Mythos gibt es nicht mehr. Gab es ihn überhaupt?

SS: Den Mythos schon, aber er hat wenig mit der Realität zu tun. Niemand weiß beispielsweise etwas über die kommerziellen Aspekte. In Hawaii oder auch in Kalifornien werden Sachen wie diese Surffilme lächelnd abgetan: Ah, ja, das war in Hollywood, das waren nicht wir usw. Aber im Grunde ist das nicht ehrlich, weil, es waren diese Filme und es waren all diese Leute, die eigentlich Surfen erst ermöglicht haben und dazu verhalfen, es zu verbreiten. Dass was vorher da war, die allzu beschworene Subkultur, zu der jeder gehören will, das waren ein paar Typen am Strand, die völlig uninteressant waren. Man lügt sich da selbst was vor, als wenn kommerzielle Verwertbarkeit nicht ein entscheidender Faktor ist. Niemand will nur der sein, der das macht, weil es vom Marketing so ist. Alle wollen authentisch sein und zu einer Kultur gehören. Aber um ehrlich zu sein, die meisten wollen auch nicht zu einer Kultur gehören, wo alle sich heimlich am Strand treffen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit surfen. Man will schon irgendwie beides, es ist immer dieser Widerspruch da.

AS: Eine Ambivalente Situation.

SS: Genau

Offizielles Ende

SS: Die Ehrlichsten sind immer die Leute selbst. Auch die Surfer sind die, die kein Problem damit haben und sagen: Natürlich ist das hier Kommerz, natürlich ist das Quatsch und ich mach jetzt dies und das. So Sachen wie Roxy und sowas ist ja auch heiß umstritten. Die sind aber ehrlich und sagen: Ja, wir verkaufen halt. Letztendlich sind wir börsennotiert und ich habe Verantwortung gegenüber meinen Mitstreitern und den Leuten, die unsere Aktien kaufen und das ist erst einmal entscheidend. Ich habe es auch einmal in Hollywood gesehen, wo sie meinten, ein weißer Hauptdarsteller funktioniere halt, weil er akzeptiert werde und umgekehrt nicht. Aber wenn ich 100 Millionen in einen Film stecke, gucke ich erst einmal, was funktioniert. Aus demselben Grund gibt es keine weiblichen Actionheldinnen, weil sie nicht funktionieren. Frauen wollen die auch nicht sehen. Frauen wollen einen klassischen Helden sehen. Es ist wieder sehr ambivalent. Was mich verrückt macht, sind diese Rückgriffe auf Hawaii, weil es für sie tatsächlich Religion war.

 

Interview mit Ana Albuquerque,                                                                                  29.06.16

Rezeptionistin im Hostel Chill In Ericeira

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 It´s all about peace, freedom and love

AS: Annika von Schütz
AA: Ana Albuquerque

AS: Thank you very much for taking the time to give the interview. To start with it, I would like to know, since when are you surfing?

AA: I started with 29 years old, at the moment I am 44. I started kind of late. It´s never late to surf of course, but to have the good performance in the water, I think you should start earlier. But I started with 29 with a group of friends. I grew up at the beach but that day I just tried it and I fell in love with it. More with the ocean, more with the relationship with my board. It´s behind me, it´s really great.

AS: What are your associations with surfing? What´s means Surf Lifestyle for you?

AA: I like to paddle in the water and try to feel good. It´s like a way to put my stress out and yes it´s my hobby, my sport, that I can combine with my work.

AS: What exactly is your job here?

AA: I´m a receptionist. Say hello and goodbye to the guests. And to organize everything in the house, the cleaning, the staff and all about the reception paperwork. That´s my job and I love it.

AS: Is there a certain philosophy of the Chill In Hostel?

AA: The motive is humor. Just enjoy life and be happy as much as you can. Especially if you are in the holidays. I think you have to feel comfortable and just live and breathe and relax. And no stress. I always say to my guests: Please switch of your buttons. You are not working anymore. Even surfing is hard, but in the end, it´s like “hmm“. It´s just so good and just being happy in your life.

AS: What kind of jobs do you have in the hostel?

AA: We have all the receptionist, the staff, the cleaning lady, the nightlife guard Joaquín, Timmy is doing the breakfast, so we have our tasks, their departments.

AS: And what exactly is the nightlife guard doing?

AA: He takes our guests for dinner and shows them the best parts in town, then the club. They just show how to have fun, just to enjoy the good life.

AS: So, the people have everything from breakfast to surf?

AA: Yoga, dinner in or out at the Surf house and nightlife and of course we have other kind of activities like horse riding, like travel to Sintra or Lisbon to show around this area. Portugal is beautiful. So, we have plenty of things. We organize everything, they just have to sign up a paper. We organize everything with pleasure and love.

AS: Is there an increasing number of people coming?

AA: Yes, more and more people are coming and also many guests were here two or three years ago and keep coming back four or five times. There is a meaning here, it´s a magical place, that´s why they are coming back so often.

AS: Surfing needs time, money and effort. How do you afford all this?

AA: Well I´m not a pro surfer. I have my board, my wetsuit and that´s it. I don´t need to spend so much money. For example, a pro surfer, if they don´t have a brand or a sponsorship to help them, it´s going to be expensive. But for me it´s simple. But if you leave to good places, it´s expensive. You need good boards, good wetsuits and all that stuff.

AS: Did surfing change your life? Especially concerning your decision to work on?

AA: Yes, I can´t change my life. I began to work with the brands Quiksilver and Roxy ten years ago. Since then my life changed. Then with working in the Surf house, I can´t change my life. I don´t need much more money. I´m happy here, so this is all about.

AS: What are you doing when the season ends?

AA: When the season ends and the Surf house closes, normally I go to the mountains, to Austria to work there in the resorts. I stay there about three months.

AS: Does the surf have an addiction to you?

AA: I´m addicted but not sick. Often, I want to go, but working and surfing is sometimes difficult. When I don´t have so much time, I have to see when it´s good for me and then I go surfing. When it´s not so good, I can just enjoy staying at the beach, spending my time. But I also must work, it´s high season now and time is short to go. But I have fun. When I have fun, I jump in the water and enjoy myself.

AS: Do you also want to experience the feeling of adrenaline?

AA: It was one of the first good waves this season and I don´t know how to explain this. My tears came out and I was just smiling and saying thank you. It was my adrenaline just pitched me up.

AS: That reminds me of what Freud wrote about human being and nature. In how far does this has to do with surfing?

AA: You relate to nature, hundred percent. Someone once told me: When you go out in the water, you get cleaned out and in. And when I come out, this is the way I also feel. I feel so peaceful, so calm. And yes, this connection with nature. There is nothing there. When you´re surfing, it´s just you. Even if you have twenty people around you, it´s just you in the water, nothing else. You are hundred, two hundred percent connected with nature. Definitely.

AS: Do you get to know yourself better through surfing?

AA: My meditation is there. And I think and I talk. I don´t know. This is my way to meditate. I sit there and sometimes I´m talking alone.

AS: You mentioned your shoulder. Does surfing influence your body?

AA: Yes. If you don´t go there often, you feel it. But I´m recovered. I started surfing again after months and now it´s just a muscle thing, but yes, you must be in shape to go surfing.

AS: Are the physical standards you must fulfill? What about the norms and role model?

AA: Yes, you have to be in shape for yourself, not just for surfing. So, for example going to the gym or walking a lot. I do my own sports. You need to be fit, otherwise, after a few moments in the water I feel tired. Of course, you need to be in shape.

AS: Are the big differences between men and women concerning the physical standard?

AA: Yes, we are strong women, but men can manage more, they have more power in the arms to paddle. I don´t want to put the ladies down, but I think the men are physically more able to paddle to go outside.

AS: Do you see more women in the water?

AA: Yes, definitely. And it´s very good to see more women out there. Well it´s very different with the locals. But I never had bad situations with localism.

AS: There were never problems with locals and tourists?

AA: Sometimes there are because the foreigners are beginners and there are the surfers already surfing a lot and they ride a wave and now there comes a beginner and cuts the wave. So sometimes he can be mad or you know, this localism thing, but it never happened to me. I give always respect. I respect people. The waves are for everybody, so there should be a wave to everybody. But it´s not only in Portugal, it´s over all the world.

AS: There are so many surf hostels. How do you handle the concurrence?

AA: The websites and now it´s „friends of friends”, there is flyers, yes, it´s a big work on the marketing. But now we have a lot of people coming, because a friend said to her friend and this is a good connection. Our work is so good that now it´s going to spread the world. „Chill In is nice, go there“ and a lot of people do that.

AS: On which social media are you represented?

AA: We are on the websites „surf holidays “, „booking.com “, that´s famous and other ones.

AS: Are you on Instagram?

AA: Instagram, Facebook, all these kinds of media. Thank god it´s running so good. Our wish and it would be nice, is to fill another house, because we don´t have space for everybody. We have thirty beds and that´s it.

AS: Where are the people coming from?

AA: All over Europe? But we have Canada, USA, Australia, New Zealand, China, Japan, Argentina and then all Europe. We have some from Indonesia also. It´s funny, because they have waves there and then we have guests who start surfing here. It´s all over the world.

AS: You are creating the community through the Surf Camp. What are the elements the surf community is based on?

AA: First nature, then it´s based on sports, because it´s a sport also. Then what you feel about life. It´s just like everywhere. There are people with a good heart and people with a less good heart. Sometimes it can get rude, but without me. For me it´s a connection with friends and people who love surfing. I´m very sensitive.

AS: What means surfing to you in one sentence?

AA: Peace, you know just peace. That´s what I feel when I go there. If I´m having a bad day, it´s just so peaceful in myself and quiet. I can enjoy a good evening or afternoon. Peace, freedom, love, that´s how I see the ocean and how I feel the surf. This is how I am and I transmit them the way I am. And then I tell them, that´s the spirit of surfing.

 

 

Interview mit José Gregório,                                                                                          01.07.16

General Manager bei Quiksilver Ericeira, Portugal

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Surfing reveals sexappeal

AS: Annika von Schütz
JG: José Gregório

 

AS: You won three times the title of national surfing, right?

JG: Yes.

AS: When did you start surfing?

JG: I started surfing when I was twelve years old. I started to surf in Carcavelos, which is like one-hour drive south from here. I was coming here every day. I thought I must live in Ericeira, the best waves are here. Then I moved here and finally I started working here after my surfing career.

AS: How did you get into touch with surfing?

JG: I was by accident. I was just going on the beach with some kids, twelve-year old kids and one of them said: let´s go to try this board. I got stoked the first time I dropped into the wave.

AS: What kind of board was it?

JG: I just remember that it was a small red board. I remember the board on my feet and me dropping the wave. It´s a unique feeling.

AS: Since then you were chasing waves and getting better and better?

JG: I remember that I got home to tell my mum that I want to be a pro surfer, to be national champion and just to surf. And she said: No, you have to study and all that. But I was really focused on surfing and getting better and finally when I was twenty-four, twelve years later, I was national champion. And then I started to travel around the world for surfing. Hawaii, Indonesia, a lot of trips, chasing the waves.

AS: How was it possible to finance the traveling?

JG: At the beginning it was tough, but then I got sponsors. My first good contract was with Quiksilver when I was seventeen years old. Then I started to make some money in contests and started financing everything one to the other. A little bit like that at the start. And then I ended up here, taking care of Quiksilver of Portugal.

AS: What is your main motivation for surfing and working in the surf industry?

J: I think the surfing world, it´s a great lifestyle, it has a great sexappel and everyone wants to be a surfer. I think this whole surfing world is this: it´s a very good feeling to surf some waves and then you work and you change for surf. You do things later and we work a lot on the phones, too. Surfing makes your life easier.

AS: What does the lifestyle mean to you?

JG: The lifestyle for me is very casual, you know? It´s also sportive, because you try to be fit for surfing. Surfing pushes you to be fit. And then it´s all about the fun. For example, Quiksilver is a big family. Everyone surfs in the company, so there is a great feeling all about the surfing.

AS: What´s the philosophy behind Quiksilver?

JG: The philosophy behind Quiksilver? It´s a board shorts company, the first one to design boardshorts for surfing. I think the best word to define Quiksilver is, they produce boardshorts to get money to surf. So that´s the big philosophy. They did something fun to finance something even more fun. There was surfing in the waves and board riding and snowboarding in the mountains too. That´s why our logo is a mountain and a wave.

AS: What´s the idea behind the women’s and the men’s sportwear?

JG: Women are even more lifestyle. The men are more sportive and competitive. Nowadays we have many women competing in high level. But even now I think men are even more sportive and competitive between each other than women. Women profit a lot of this lifestyle on the beach, the sun, the waves, the good vibes and everything, the good feeling around it, but they are not as sportive as men. In the end, it´s a physical sport. Men are more into high performance than women.

AS:  Is there a difference concerning the norms of men and women?

JG: No, they are equal and there are women surfing as good as men nowadays, but it´s such a high number of comparison.

AS: All women are represented very sexy in the surfing world. Is it the only chance to get a sponsor if you want to be a pro surfer?

JG: I think all the industry is looking for pretty women. I think it´s not just the surfing industry, searching the perfect woman. We all know that beautiful women sell products. Beside surfing, they also sell high class products in our society. So, I think, that´s not because of the surfing part, you know? Surfing helps, because women are at the beach in Bikinis and it´s even more sexy.

AS: Do you have certain plans for Quiksilver? Especially concerning the Portuguese market?

JG: We are a very touristic country nowadays. A big part of our market is in the summer. Summers are the high season, this is like Florida of Europe now. In surfing, I would say that we are the heart of Europe, compared to Ski and Snowboard in the alps. We see a lot of people that snowboard and ski in the winter and for the summer they come to profit of the sun and good waves of Portugal. I think we are more and more a surf tourism destination for all the Europeans. Winter also has good waves and we are becoming more and more a surfing destination.

AS: What exactly are your tasks in the Quiksilver company?

JG: I´m the general manager for Quiksilver in Portugal. We have some surf shops and then we have the clients. A lot of independent clients that sell the brand through the whole country, the whole coast and my role is to manage Quiksilver for the country. Quiksilver and Roxy for women.

AS: Can you notice an increasing number of people buying Quiksilver and people getting into surfing?

JG: The textile is difficult, because there is a lot of competition. A lot of brands are producing textile nowadays and copy our lifestyle, taking advantage of the surfing image that we produce, the surfing brands produce. For the technical part I see, that the market will grow. More people are surfing everywhere. There is more people living the lifestyle by the coast. So, I think, for sure there is a growing market.

AS: What are you doing against this big concurrence?

JG: We value the originality of Quiksilver. Quiksilver was the first one, so we must value this. Our marketing is based on this. Starting with the sport around the surfing world until snowboard and ski, we try to do the same and in the end, we are an original brand. Our DNA is the beach and the mountain. I think people will see that in our brands and understand that. Understanding the lifestyle, and the products of the quality we sell. The product that we do, is the boardshorts for forty-five years now. We were the first company ever to do it. The most technical boardshorts, most advanced boardshorts has Quiksilver and people know how to value that.

 AS: What means to buy something of Quiksilver?

JG: It means buying a good product. That you identify yourself with the brand. With the surfing world, the snowboard world, the skating world. All the board riding sports that we sponsor, we live and the lifestyle that we create around this and it´s this young people feeling that the brands passes through.

AS: On which elements is the surf community based on?

JG: Surfing community nowadays is really big, I think everyone likes to travel. Everyone is young, fun, moving around in different cultures, traveling and staying in hostels and going out at night. Ericeira is a nice and typical village of Portugal. I think there are new experiences and new beaches. I think that´s the whole spirit of the surfing community. Everywhere we go around the world, we meet new people. And they are all looking for the same thing.

AS: What are they exactly looking for? As you experienced a lot of this lifestyle, is there still something you are looking for?

JG: Always looking to have fun. All the time. In my job, in my surfing, with my kids. I´m trying to pass all the experience that I had to my kids, too. I think we are always looking for something more, that´s human. I think surfing opens your mind, because we travel a lot and search for places all over the world, but it´s a human thing to look for more.

AS: Would you consider yourself as an example who got directly addicted to the surf?

JG: Yes, for sure.

AS: And the feeling of adrenaline as well?

JG: Yes, a lot. Surfing is a lot of blood in your veins, for sure.

AS: What exactly are you looking for by chasing this kind of feeling?

JG: The better you get, the more you want. When you have a high level, you are looking for more difficult waves. In surfing, there is no limit. That´s the good thing about that. Every day is a new day and every wave is different. You´re always looking for something new.

AS: Freud wrote about beach culture, the phenomena about the ocean and human being. In how far does this has to do with surfing?

JG: In surfing, it´s just you and the ocean. Even if you teach someone to surf and you take him to the water, like I take my kids, there is always a moment when you are alone riding the wave. It is just a board and the person alone in the water, in the big ocean. A lot of different conditions like wind and everything. When you stand up, it´s just you and the board riding on the wave, I guess that’s the closest things that the human can be in the nature. It´s my feeling of this thing. You forget about everything, just you and the ocean.

AS: Does surfing has a lot of influence on your body?

JG: Yes, and a lot of damage too. You get the surfer´s ear, your back sored.

AS: What means surfer´s ear?

JG: Surfer´s ear is when it gets blocked, because of the cold water. I got my ear operated twice already and I got this one really close, so I can´t hear very good on this side. It´s part of the job.

AS: Concerning of the different body structure of men and women, do you think they surf differently?

JG: Yes, they surf differently, but it´s like in any other sport. Women are really good. If you take for example football, it´s a huge difference. In surfing, there is not a huge difference between women and men, maybe like tennis. I like to watch women playing tennis and I like to watch women surfing, too. Maybe I don´t really like women playing football, I don´t think it´s very sexy, but in surfing, I think it´s okay.

AS: How are women represented in the surfing world?

JG: A lot of women are surfing nowadays; a lot of women are travelling for surfing and some really good surfers and a lot of pretty faces of course in the surfing world.

AS: The invention of the boardshorts for women made it a lot easier to practice the sport. In how far does the surf industry create the sport? What influence does the industry has on surfing?

JG: Quiksilver was the first brand that saw the potential of women in surfing. That´s why after Quiksilver, in the 90ies we created Roxy, which is the two logos together building a heart. That´s how Roxy was born as a brand, because women surfing was growing a lot. I think that Roxy saw all these beautiful women coming to the beach and wanted to surf and everything and created a lifestyle around that, too. Nowadays, Roxy as a brand is reinvented with Yoga and SUP events they do. The Stand-Up paddle is growing a lot and a lot of women are doing it. Roxy is also designing clothes for that. It´s the trendiest brand I would say for women surfing clothes. So, I think the industry also creates the hypes and trends, but sometimes they follow the trend, too.

AS: Are there special people planting the seeds and researching on upcoming hypes?

JG: Yes, there is people that it sponsor and there are Roxy ambassador girls. They are the most beautiful girls, surfing good and modeling. They are the people doing that job.

AS: Do you plan more events here in the Quiksilver Store in Ericeira? Do you want to create a mixture between a store and living?

JG: Yes. This shop it´s not only a shop to buy clothes. I would say, it´s both. In a shop like this we have a carrousel with the boards running around twenty-four hours a day, we got a bar, we got the internet for the kids, a skatepark, the hugest one in Portugal, the surf right in front, the concerts every Friday, but we also have skate contests. We have eight events during the summer. We also have a skate school, a surf school. So, this shop, this building is not only for people who live around the surfing world, but also for families. The parents can come and sit on the balcony, the kids can go to use the Internet, go to skate school, surf school, whatever. It´s the perfect place to spend one day. In Ericeira, this shop is the place to be.

AS: As Quiksilver is the sponsor for a lot of events, how much is the money which you can win by participating in a contest?

JG: My last contest was in 2007, so many years ago. The prize money is increasing a lot since then. Nowadays it´s very good prize money.

AS: Where in the world you sell the products of Quiksilver?

JG: In Berlin, in all the big cities in Germany, there are stores. It´s an important country for Quiksilver.

AS: Is your goal to getting the clients to motivate them to come to Portugal for surfing?

JG: People don´t surf in Germany, but they see a lot of the surfing world. In the Internet, in television, in magazines, in the social networks people read a lot of this world. I believe that it´s in central Europe a huge sexappeal for the ocean. To come and stay for the holiday next to the ocean. The Portuguese have the same feeling with the snow. We get stoked when we see snow and the mountains. That´s why earlier I said, we are the alps of surfing. The alps call a lot of people in the winter, we have the same sexappeal for the summer with our waves, with our sun, with our nice weather. Our summer goes from May to October. So, we have good waves and nice weather. Everyone wants to be part of that experience.

 AS: How much is Quiksilver represented in the social media?

JG: Quiksilver has the most followers in Instagram, Facebook and Twitter. More than any other brand in the world. Roxy is the second brand, who forms part of the group. Then we have DC, one of the biggest brands in skate, too. So, three strong brands that represent any different lifestyle of this surf, skate and snowboard world for women and men.

AS: Finally: Why is surfing so special?

JG: Being in the ocean is what it makes it so special. Even alone in surfing you have a lot of fun. Because when you´re riding the wave, it´s just so much fun.

AS: What means surfing for you in one sentence?

JG: Surfing has been my life forever. When I started as I kid, I knew I was going to end here.

 

 

Interview mit Faye Sjøberg,                                                                                           14.06.16

Musikerin bei Fye & Fennek und Fotografin

fayefuesunset

Alles Dokumentation

 

AS: Annika von Schütz
FS: Faye Sjøberg

AS: Wodurch hast du angefangen zu surfen?

FS: Da ist jetzt schon eine Weile her. Ich war mit meinem Vater im Urlaub, das ist circa zwölf Jahre her und ich habe gesehen, wie die Leute surfen. Das hat mich fasziniert. Dann wollte ich das ausprobieren.

AS: Wo surfst du am Liebsten und wie oft?

FS: Ich fahre sehr, sehr gern immer wieder nach Frankreich. Damals habe ich es auch da gelernt und ich bin da immer super gern. Es ist wie nach Hause kommen für mich. Die Ecke bei Hossegor, da gibt es viele schöne Strände und schöne Orte.

AS: Du bist auch berufstätig. Wie oft surfst du im Jahr?

FS: Als ich noch studiert habe war es noch viel mehr, im Durchschnitt war ich vier Monate im Jahr unterwegs. Ich versuche es auch jetzt, so oft wie es nur geht, auch wenn man nur eine Woche Zeit hat, dass ich losziehe und ans Meer fahre.

AS: Was für eine Assoziation hast du mit Surfen? Was verbindest du damit?

FS: Absolute Freiheit. Es ist etwas, was mich sehr herunterbringt. Einmal zu sich selber kommen, auch Meditation eigentlich.

AS: Welchen Stellenwert nimmt das Surfen in deinem Leben, bzw. Alltag ein?

FS: Für mich ist es so, dass ich Surfen gut verbinden kann mit den Sachen, die ich mache. Ich fotografiere ja viel, mach´ super viel Musik und all das wird auch beeinflusst vom Surfen und das Surfen wird davon auch wiederum beeinflusst. Also je nachdem wie viel man da gerade macht, ist man ja vielleicht auch gar nicht so fit und muss erstmal wieder reinkommen. Aber man kann das gut verbinden und das tu ich auch.

AS: Versuchst du also das Surfen auch durch andere Medien zu erleben?

FS: Fotografie ist ein ganz großes Thema. Da habe ich eine Crew von Mädels, mit denen ich viel losziehe und wir fotografieren auch zusammen und versuchen, dass alles miteinander zu verbinden. Es ist eigentlich so ein Flow. Man geht so durch den Tag und man fotografiert und man lebt aber auch einfach. Es ist eigentlich nur Dokumentation, aber auch diese Dokumentation nimmt schon so viel Raum ein, dass es dann auch wieder wie ein Job ist. Dass man mit den Kameras auch schon zusammenlebt.

AS: Du machst viel Musik. Durch welche weiteren Mittel kannst du das Surfen für dich erlebbar machen?

FS: Das Schreiben an sich. Es muss nicht unbedingt ein Songtext sein. Manchmal sind es auch Texte, die man festhält, weil man gerade das Gefühl hat, man müsste diese Gedanken bei sich behalten. Und auch Zeichnen spielt eine große Rolle. Dass man dieses Gefühl transformiert in etwas, das auch bleibt. Und was man dann auch anderen Leuten wieder geben kann vielleicht.

AS: Welche Rolle nimmt das Surfen konkret in deinem Leben ein?

FS: Ich kann es mir nicht mehr wegdenken. Es ist verrückt, dass man gar nicht merkt, wie das einen einnimmt. Schon allein dadurch, dass man selten ein Reiseziel wählt, wo man nicht surfen kann. Wenn ich weiß, ich habe Zeit und ich reise, dann reise ich dahin, wo ich auch Wasser und Wellen habe. Natürlich gucke ich mir auch schöne Sachen an, aber ich versuche das so hinzubekommen, dass ich auch surfen kann. Wenn man zurückkommt von einer Reise, ist man auch in Gedanken immer noch unterwegs.

AS: Du surfst mit deinen Freunden zusammen. Spielt da noch mehr mit, außer den Sport gemeinsam auszuüben?

FS: Ja, es ist verrückt, dass sich das alles so miteinander kombinieren lässt. Wir sind Freunde, die auch gleiche Interessen haben und diese Interessen zusammen ausleben mit dem Surfen. Aber bei uns ist Surfen nie so das Thema, wenn wir jetzt außerhalb des Wassers sind. Wir gehen halt surfen, das ist klar, aber wir sprechen nicht den ganzen Tag übers Surfen. Bei uns ist es viel mehr das, was man macht, um überhaupt bei sich zu sein und alle anderen Sachen sind eigentlich wichtiger, wenn man nicht im Wasser ist. Die Kunst, das Fotografieren, das Leben an sich.

AS: Was machst du im Leben, abgesehen vom Surfen?

FS: Ich jobbe ganz viel, damit ich genügend Geld zum Reisen und Leben habe. Aber worin mein Herzblut steckt, ist die Fotografie und ganz stark die Musik. Das ist eigentlich das, was ich mache und liebe.

AS: Welche Einflüsse hat deiner Meinung nach das Surfen auf den Körper?

FS: Es ist ganz stark, weil es eine sehr starke Beanspruchung ist für den Körper. Wenn man sich gar nicht vorbereiten würde, ist es sehr schwer, klarzukommen. Die ersten zwei Wochen wäre man wahrscheinlich super platt. Deswegen versuche ich allein dafür auch immer was zu tun, dass ich mindestens zwei bis drei Wochen für das Surfen trainiere. Ich mach sehr gerne und viel Sport. Die Körperregionen, die vom Surfen beansprucht werden, sind über den ganzen Körper verteilt. Das ist auch das Schöne. Man ist sehr ausgewogen trainiert.

AS: Verspürst du die Lust nach Adrenalin? Wie hoch ist das Suchtpotenzial nach noch mehr Wellen und Reisen?

FS: Also man muss schon eine Wasserratte sein in erster Linie und auch einstecken können beim Surfen, das ist schon sehr wichtig. Es ist ja nicht nur Spaß. Man vergisst das ganz schnell, dass man auch Adrenalin ausschüttet, weil man auch mal an seine Grenzen gerät, weil Dinge passieren, die nicht erwartet sind und genau das braucht man ja auch irgendwie. Das pusht einen auch und bringt einen weiter. Wenn man mal so ein Erlebnis hatte und sagt, so, dass war jetzt grenzwertig, dann geht man erst einmal aus dem Wasser und ist ganz am Boden. Man steigt aber wieder auf – auf das Pferd – geht wieder hinein und macht es wieder, weil man auch genug positive Erlebnisse hatte. Ich weiß genau, was ich da suche und dann geht man auch wieder hinein ins Wasser.

AS: Gab es schon mal einen Moment, wo du dachtest: Es reicht, es ist zu gefährlich?

FS: Ich habe viel dazugelernt, wie Situationen einzuschätzen und nicht in jeder Bedingung hineinzugehen. Trotzdem macht man das immer wieder, dass man immer wieder denkt: Oh, da hättest du jetzt nicht unbedingt hinauspaddeln müssen. Ich glaube allerdings, dass es so extrem wie am Anfang nicht mehr sein kann. Weil ich schon ziemlich genau merke, wie das Meer tickt.

AS: Wie ist es, als Frau ins Line-up zu paddeln?

FS: Das kommt darauf an, wo man ist. Ich habe schon Erlebnisse gehabt, da waren die Männer chauvinistisch unterwegs: „Das ist eine Frau, ich gebe der keine Welle.“ Ich habe aber auch schon das Gegenteil erlebt. Das sagten die Männer: „Hey los! Cool, dass du drin bist. Schnapp dir deine Welle“, oder dich pushen und einem helfen. Es sind immer wieder ganz unterschiedliche Erlebnisse.

AS: Gibt es generell einen Unterschied zwischen Männern und Frauen?

FS: Für mich muss es nicht unbedingt ausgeglichen sein. Ich kann damit gut leben, dass man sagt, Männer haben einen anderen Körperbau und gehen vielleicht auch anders um mit dem Sport an sich. Solange ich Freunde habe, mit denen ich surfen gehen kann und die die gleiche Einschätzung haben, das gleiche Lebensgefühl mit mir teilen, passt das. Ich muss auch nicht mit jedem im Wasser befreundet sein. Es ist halt immer noch ein Individualsport und man ist schon auch sehr mit sich selbst beschäftigt beim Surfen.

AS: Freud beruft sich in seinem Werk über „Beach Culture“ auf die intime Verbindung zwischen Mensch und Natur. Was für eine Rolle spielt das beim Surfen?

FS: Es wirft einen absolut zurück auf das Ursprüngliche. Du bist ja relativ frei mit dem, was du dafür brauchst. Manchmal ist man an Spots, wo man alleine ist. Nur das Meer und du. Das alles sorgt dafür, dass es eine ganz reine Naturerfahrung ist. Und man ganz schnell merkt, dass da nicht viel ist, was noch eine Rolle spielt, außer du selbst und das Meer. Für mich hat es einen ganz bereinigenden Charakter. Weil die Sachen, die sonst um einen herum passieren, nicht mehr stattfinden.

AS: Was meinst du damit?

FS: Wenn man zum Beispiel in der Stadt lebt und ich tu das genauso wie viele andere auch, pendle ich im Moment immer zum Meer hin. Dann hat man immer Beton, immer Wände, immer Job und dieses Stadtleben um sich herum und das lässt man halt einfach komplett hinter sich. Man ist einfach irgendwo am Strand, in der Natur, wo selten viel drum herum passiert, als eben Surfen. Zumindest suche ich solche Orte auch sehr stark für mich und das ist schön, weil man dann wieder sehr geerdet danach ist.

AS: Es erfordert viel Zeit und auch Geld, diesen Lebensstil zu pflegen, wenn man in Berlin wohnt. Ist es anstrengend, das alles aufzubringen?

FS: Das fragen mich wirklich sehr viele Leute. Gerade im Studium fragten sie mich oft, wie ich so viel Reisen gehen kann. Teilweise muss ich fast sagen, ich weiß es nicht. Ich glaube, weil ich sehr bescheiden reise. Ich lebe nicht auf großem Fuß, sondern mir reicht auch ein Zelt. Meistens kann ich mich auch so finanzieren, dass ich unterwegs Musik mache oder mit sonstigen Sachen Geld verdiene. Das ist das Eine. Das Andere ist, dass man auch immer dafür spart. Du leistet dir vielleicht eine Sache weniger und dafür gibst du es aus für den nächsten Surftrip.

AS: Was ist es für ein Gefühl, zur Subkultur des Surfens dazuzugehören? Was sind die Hauptelemente, die diese Gemeinschaft auszeichnen?

FS: Beim Schreiben ist es ein ganz starkes Gefühl, etwas sagen zu wollen, weswegen man das auch nur tun kann, wenn man was zu sagen hat. Wenn man nichts zu sagen hätte, wäre es sinnlos, einen Text zu schreiben. Deswegen nimmt Surfen Einfluss auf meine Texte, weil da viel passiert. Da lerne ich viel über mich selber und über Orte und das lass´ ich mit einfließen in die Musik. Warum das jetzt so ist, dass ganz viele auf den Zug aufspringen und gespreadet ist in der Werbung? Ich glaube, es hat nach außen hin eine unglaublich magische Wirkung. Die Leute streben ja auch immer danach, so ein Freiheitsgefühl zu kriegen und ein Stück davon auch mitzukriegen. Ich glaube, es funktioniert aber nicht im kommerziellen Sinn. Es ist keine Sache, die man sich einfach so kaufen kann. Ein Lebensgefühl, das man entweder trägt und in das man auch selber hineinwächst irgendwo, oder dass man wahrscheinlich nur so ganz plakativ in der Betonstadt sieht und davon träumt. Ich glaube nicht, dass manche das erreichen.

AS: Meinst du, es ist nicht möglich, sich in die Szene einzukaufen, indem man Kleidung der Surfmarken trägt und einen Surfkurs macht?

FS: Ich stelle immer wieder fest, dass es unglaublich viele Surfcamps und wahnsinnig viele Anfänger gibt, aber wenig Fortgeschrittene. Das ist eigentlich Hauptaussage des Ganzen. Viele schnuppern da mal rein und es gibt viele, die es versuchen, aber das macht einen auch selbst wieder entspannt mit der ganzen Sache. Sonst wäre es ja unglaublich voll an dem Strand, wo man ist und bisher geht es ja noch. Es sind immer im Sommer viele Surfkurse die stattfinden, aber wenn du im Herbst oder im Frühjahr losziehst, dann passt das wieder.

AS: Warum nimmt der Hype um den ganzen Sport und Lifestyle dennoch rasant zu? Vor allem unter Frauen?

FS: Es ist natürlich immer ein bestimmtes Schönheitsideal damit verbunden, was daran anknüpft. Die meisten Leute, die viel surfen gehen sind sowieso schon sportlich. Und es gibt schon sehr viele schöne Surfer, weil man seinen Körper trainiert. Vielleicht, weil bei Männern auch manchmal der Gedanke da ist: „Ich möchte auch so einen Surferbody haben“. Bei Mädchen oder Frauen ist es vielleicht auch so ein Anerkennungsding. Dass man gerne dabei wäre in so einer Gruppe, die sehr freiheitsliebend unterwegs ist und unabhängig wirkt. Die Werbung hat sich in den letzten Jahren sehr darauf gestürzt, die Freiheit in der Werbung aufzugreifen, weil ein Coolnessfaktor damit verbunden ist.

AS: Trägst du keine typischen Surfmarken?

FS: Ich glaube, das ist dasselbe, wie wenn du in Berlin durch die Straßen läufst und dann viele sagen, man sieht aus wie ein Hipster. Ich glaube, man muss einfach erhobenen Hauptes das machen, worauf man Lust hat und das tragen, was man mag. Wenn mich jetzt jemand mit einem Volcom oder Billabong –Shirt sieht, dann steh ich auch dazu. Dann hat es mir eben gefallen. Ich knüpfe meinen Geschmack wenig an Marken. Ich brauche nicht die bestimmte Marke für meinen Körper, aber wenn Stoffe und Farben einem gefallen, dann steht da vielleicht auch mal etwas darauf.

AS: Könntest du in einem Satz für dich formulieren, was Surfen für dich bedeutet?

FS: Surfen bedeutet für mich ganz klar das Zurückkommen zum Wesentlichen. Das sich immer wieder neu erkennen und letzten Endes einfach nur man selbst sein.

AS: Warst du schon einmal in Portugal surfen?

FS: Ja, Portugal ist ja nicht zu groß, da kann man gut die Küste entlangfahren. Wir waren in Porto, da waren das Wetter und auch die Wellen schlecht. Dann sind wir nach Lissabon gefahren und haben Freunde besucht und sind dann letzten Endes an der Algarve gelandet und haben da eine super Zeit gehabt. Tolle Wellen gehabt und nette Leute kennen gelernt. Ich liebe Portugal, weil es so abwechslungsreich ist, sehr günstig zu reisen, du triffst ganz tolle Menschen unterwegs und sie sind sehr Surfer-freundlich. Da hängt zu viel Herzblut dran, als dass man nicht wieder hinfliegen würde.

AS: Wo wohnst du vor Ort? Im Hostel?

FS: Ich bin nicht so sehr der Hostel-Typ. Zum Glück teile ich das auch mit meinen Freunden und wir wohnen tatsächlich gern im Auto, also auf der Straße. Das ist ein unglaubliches Freiheitsgefühl, was man hat. Man hat sein Zuhause mit dabei und du kannst jederzeit den Ort wechseln und bist frei in der Wahl des Surfspots und allem. Und das ist was ganz Besonderes. Vielleicht nimmt man auch noch ein Zelt mit und zeltet auch mal hier und da.

 

 

Weitere Filmprojekte

Dokumentarfilm über Rap und Demokratie in Mali, 2011

Rap Dokumentarfilm Mali online ansehen

 

Mali 1

 

 

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